Basketball Leben

Ein Basketballfeld für Kinder in Rumänien

Was kann man alles in sieben Tagen schaffen?

Sieben Tage waren wir in Rumänien. Sieben lange und anstrengende Tage. Nach denen wir abends todmüde ins Bett gefallen sind, nur um gefühlte fünf Minuten später wieder aufzustehen, die Kinder zu wecken und um die Kirche zu sprinten. Sieben Tage Chaos und Improvisation. In denen wir nicht nur Körbe geworfen, Schrittfolgen geübt und Passtechniken verfeinert, sondern auch unter Sternen geschlafen, Küken gestreichelt und Freundschaften geschlossen haben. In denen ein rumänischer Zugfahrer uns ungefragt einen Gruppenrabatt gegeben und ein Schwimmbad nur für uns geöffnet hat. Sieben Tage, in denen permanent Kindergeschrei Irenkes Hof erfüllt hat – und in denen Irenke uns umsorgt hat, als wären wir ihre eigenen Kinder. Es waren sieben Tage, die wir so schnell nicht vergessen werden.

Bögöz 2016 ist nicht unser erstes Basketballcamp in dem verschlafenen Ort zwischen Székelyudvarhely und Segesvár gewesen. Was hat sich im Vergleich zum vergangenen Jahr geändert?

1. Die Ausflüge: Nach unserer letzten Reise haben wir lange über unsere Ausflüge diskutiert. Im Kern drehte es sich vor allem darum, dass wir einige Ausflüge nur mit den Münchner Kindern unternommen haben. Im ersten Jahr hatte sich das so ergeben, weil die Bögözer Kinder vormittags noch in der Schule waren – trainieren wollten wir nicht ohne sie, also haben wir Ausflüge gemacht. 2015 jedoch hatten die Bögözer Sommerferien. Wir haben unsere Ausflüge geplant wie gehabt. Einmal haben wir alle in die Salzmiene von Parajd eingeladen, ansonsten waren wir meist alleine unterwegs. Das sollte dieses Jahr anders werden. Alle zusammen, lautete die Devise – minden ki együtt! Das haben wir so auch umgesetzt. Alle Ausflüge – ob ins Schwimmbad, zum Kanufahren oder zur „Kräuterhexe“ Emese haben wir mit der ganzen Gruppe veranstaltet.

2. Das Training: Das Abschlussturnier des vergangenen Camps markierte den Auftakt für die erste Trainingssaison des BC Bögözi Udvar. Die Szeklerkinder haben Wind und Wetter getrotzt und hart trainiert. Das haben auch die Münchner Kinder bemerkt – und die Fortschritte der Einheimischen umso eifriger gelobt. Auch beim Turnier – das mit seinem zweijährigen Bestehen fast schon zur Camptradition geworden ist – haben sich die Fortschritte bemerkbar gemacht. Unsere gemischten Teams haben sich so gut geschlagen, dass sie es beide aufs Siegertreppchen geschafft haben. Nicht ganz nach oben, den Platz eins mussten sie den Riesen aus Székelyudvarhely überlassen, aber über Platz zwei und drei haben sich die Campteilnehmer ebenso gefreut. Ach so, und außerdem haben wir jetzt zwei tolle neue Trainer, die den BC Bögözi Udvar im nächsten Jahr fit für die Szeklerliga machen wollen!

3. Die Gruppe: Die Kids sind älter geworden. Das hat sich bemerkbar gemacht. Laut war es immer noch, und das wäre sicher auch mit einer Gruppe von 16-Jährigen nicht anders gewesen. Aber die Gruppendynamik war eine andere. Die Sprachbarriere wurde schneller überwunden als im letzten Jahr, die Kinder besonnener und vielleicht noch ein klitzekleines bisschen interessierter an Land und Leuten – einige haben sogar versucht, ihre Ungarischkenntnisse anzuwenden.

Einiges hat sich also verändert. Aber einige Dinge sind geblieben – zum Glück!

1. Die Gastfreundschaft: Ob bei Irenke auf dem Hof oder Renis Familie auf der Farm: Wir wurden so liebevoll versorgt wie eh und je. Das bedeutet, dass auch mal kurzerhand ein Baum gefällt wurde, als ein Lagerfeuer niederzubrennen drohte. Dass ein Wildfremder uns vier Autos samt Fahrern lieh, als unser Busfahrer uns vergessen hatte. Dass Evi zu jeder erdenklichen Tages- und Nachtzeit zur Stelle war, um zu übersetzen, Beamer zu organisieren oder ein Scheunentor zur Kinoleinwand umzufunktionieren. Wir hätten uns nicht wohler fühlen können!

2. Das Interesse am Camp: Ob beim interessiert grüßenden Nachbarn, dem mürrischen Bauern oder der kein Wort Englisch sprechenden, dafür aber umso freundlicher lachenden Verkäuferin im örtlichen üzlet ist: Wir sind wie immer in aller Munde. A németek, die Deutschen sind wieder da. Und das spricht sich herum. Kinder laufen neugierig vor dem Tor von Irenkes Pension vorbei oder bitten darum, sich dem Camp anschließen zu dürfen, Frauen schneien herein und fragen, ob sie vor dem Flohmarkt schon mal einen Blick auf die mitgebrachte Ware werfen dürfen. Wir sind eine Attraktion und die Augen sind auf uns und unser Engagement in Bögöz gerichtet. Das sollten wir nicht vergessen.

3. Die Kids: Réka, Reni, Bálint, Akos, Csabi, Szili und all die anderen. Sie haben es sich nicht nehmen lassen, auch in diesem Jahr wieder am Camp teilzunehmen. Sie wollen unbedingt weiter Basketball spielen. Wir sind gespannt, wie sie sich im kommenden Jahr schlagen werden. Und auch von den Münchner Kids haben die meisten schon angekündigt, im nächsten Jahr unbedingt wieder dabei sein zu wollen. Wir freuen uns!

So, wie lautet nun die Bilanz nach sieben Tagen Bögöz? Es war laut, es war heiß, es war anstrengend. Es war lustig, wunderschön und kaum in Worte zu fassen. Wir können es kaum abwarten, wieder hinzufahren – und freuen uns schon jetzt auf Bögöz 2017.

Dafür möchten wir euch um Unterstützung bitten – in zweierlei Hinsicht. Einerseits möchten wir auch im nächsten Jahr wieder ein tolles Basketballcamp veranstalten, an dem 15 Kinder aus Bögöz teilnehmen können. Wir wollen wieder gegen Ende der Sommerferien fahren – diejenigen, deren Kinder Interesse haben, sollten sich den Termin schon einmal freihalten.

Und dann geht es uns darum, dass wir es den Bögözer Kindern ermöglichen wollen, in der Zwischenzeit zu trainieren. Bis Ende Oktober können sie das auf dem Freiplatz machen. Dann aber sinken die Temperaturen in den einstelligen Bereich, und das ist zu kalt. Wir wollen eine Halle in Székelyudvarhely anmieten (genau, bei den Riesen!), in der die Kinder einmal in der Woche trainieren können. Die Halle kostet 150 Euro im Monat, hinzu kommen Trainerkosten von 100 Euro im Monat. Im besten Fall können die Kinder zweimal in der Woche trainieren – das würde natürlich bedeuten, dass sich die Kosten verdoppeln.

Eure Spende hilft, den Traum vom BC Bögözi Udvar zu verwirklichen. Jeder Euro zählt, schon ein Kleinstbetrag kann einen Unterschied machen! Und wenn ihr die Kids dauerhaft unterstützen wollt, könnt ihr auch Mitglied bei Basketball Leben werden – meldet euch dafür einfach bei uns!

Ihr möchtet wissen, was genau wir in den sieben Tagen erlebt haben? Dann schaut doch mal auf unserem Blog rein!